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| Selbstmord im Paradies: Mein Leben in der Sekte (suhrkamp taschenbuch)
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Die bitteren Folgen eines Sektenwahns
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Selbstmord im Paradies: Mein Leben in der Sekte (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch) Deborah Layton, geboren 1953, führt bis zu ihrem Eintritt in die Sekte "People's Temple" ein unstetes Leben durch ihre fehlende Disziplin in der Schule, Drogenkonsum und durch ihre zunehmende Entfremdung von den Eltern. Mit 16 Jahren lernt sie durch einen ihrer Brüder die Gemeinde, angeführt von Jim Jones, kennen und tretet begeistert ein in dem Glauben, von hier aus den Unterdrückten der USA helfen und somit ihrem Leben einen Sinn geben zu können. Doch es endet mit "Konfrontationen" (= Bestrafungen durch die anderen Mitglieder wegen kleinster Vergehen), sexuellen Missbrauch durch den "lieben Father Jim", den Abbruch familiärer Kontakte und der Reise ins vermeintliche Paradies Jonestown in Guyana, das sich jedoch als schwer bewachtes Arbeitslager herausstellt. Selbstverständliche menschliche Gefühle und Bedürfnisse wie Liebe, Geborgenheit, Trauer oder Schmerz sind dort verpönt, ja sogar höchst unerwünscht. Erst nach Monaten voller Verzweiflung und Torturen wie den nächtlichen Selbstmordübungen entkommt sie mit Müh und Not. Zurück in den USA berichtet sie von den Verhältnissen in Jonestown und versucht, wieder ins normale Leben zurückzufinden. Das geschieht im Jahre 1978, als fast 1000 Mitglieder am 18. November tatsächlich zum Suizid gezwungen oder ermordet werden.
Zwar gibt es diese Sekte nicht mehr (die Überlebenden haben sich entweder zurückgezogen oder berichten von den Grausamkeiten dieser Zeit) doch hat es mich trotzdem mitgenommen, wie detailiert Layton ihre Geschichte beschreibt. In der Dokumentation "Jonestown - Todeswahn einer Sekte" ist sie zwar interviewt worden und erzählte einige Punkte ihrer Erlebnisse, doch im Buch kommt alles zu Wort. Ihre Jugend, ihr Eintritt, ihre Kontakte, ihre schlimmsten Erlebnisse, ihr Austritt durch eine äußerst schwierig zu meisternde Flucht und ihr Empfinden über die Tode ihrer Freunde und Angehörigen - all das wird genau beschrieben und teilweise auch mit Fotos dokumentiert. Eine der krassesten Schilderungen ist z.B. die von der ersten Vergewaltigung durch Jones. Nicht einfach zu verdauen. Oder das Leben im "Paradies" unter menschenunwürdigen Bedingungen. Und man fragt sich freilich selbst, wie man dieses Leben selbst hingenommen hätte. Dieses Buch macht fassungslos, wenn wieder mal klar wird, wie leicht Menschen manipuliert werden können, wenn ein einzelner Mensch sich praktisch als fehlerlose Informationsquelle, Wunderheiler, gütiger Vater und GOTT hält (ja, richtig: er hielt sich für DEN Gott und bestrafte jeden, der das irgendwie anzweifelte). Auch während der Flucht liest man Sprüche wie "...wie Father [Jim Jones] uns gelehrt hatte". Da möchte man den Kopf schütteln. Aber wenn man aufpasst, entgehen einem die Taktiken nicht, die nicht nur der "People's Temple" anwendete, sondern auch andere religiöse Gruppen wie die Zeugen Jehovas und Scientology: Selbstverständlich sind WIR die Rettung für euch, klar ist UNSERE Wahrheit die einzig richtige und natürlich gibt es keinen Zweifel daran, was UNSER Führer sagt.
Wer also am Thema Religionen, Psychogruppen und Sekten Interesse hat (oder auch nur am Thema People's Temple und Jonestown), kann hier ruhig zumindest reinlesen. Wer es lieber in Filmform mag, dem empfehle ich die oben genannte Doku "Jonestown - Todeswahn einer Sekte" (O-Titel "Jonestown - The Life And Death Of Peoples Temple" ), allerdings ist die Schilderung der gesamten "Karriere" eines einzelnen Mitgliedes evtl. besser nachvollziehbarer und schonmal nicht minder spannend.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. April 2009 | | |
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